Oh du Fröhlicher
by Stefanie KlawitterEin Partyhut landete auf seinem Kopf und ließ ihn zusammenzucken. Er drehte sich um, das breite Grinsen schon aufgesetzt, und fand Rose, die auch einen Partyhut trug und mit Lichterketten, Kerzen und Lametta beladen war. Sie hatte sogar einen Weihnachtskranz unter den Arm geklemmt.
„Schau mal, was ich gefunden habe!“, strahlte sie. „Du hast ganze Schränke voll mit solchem Kram in diesen komischen Hinterzimmern!“
„Und bei all dem Kram hast du dich ausgerechnet für die Weihnachtsdeko entschieden?“ Er streckte die Hand aus, um den Partyhut abzunehmen, aber Rose warf alles auf die Steuerkonsole und setzte ihm das Hütchen wieder auf. Es kratzte an seinem kurzgeschnittenen Haar und ließ seine Kopfhaut kribbeln.
Seine Konsole war ein einziges Chaos und es wurde von Minute zu Minute schlimmer. Brillant.
Rose war voller Begeisterung hereingestürmt und hatte dabei alle Gedanken aus seinem Kopf gefegt. Wie lange war sie wohl durch die Tiefen der TARDIS gestreift, um all das hier auszugraben?
„Ganz genau!“, sagte sie fröhlich. „Ich bin in Weihnachtsstimmung. Weil Weihnachten ist! Na ja, fast! Irgendwie!“ Sie fing an, Lichterketten um die Konsole zu wickeln, als wäre sie hier zu Hause. „Bring mich zu einem Planeten mit lebenden Weihnachtsbäumen! Oder zur Werkstatt des Weihnachtsmanns! Oder zur besten Weihnachtsparty der Geschichte! Oder der Zukunft! Oder zu allem zusammen!“
Der Doctor stand nur da, halb grinsend, und versuchte, mit ihrer unbändigen Energie mitzuhalten.
„Komm schon, steh nicht einfach nur da!“, sagte Rose. „Hilf mir, das hier aufzuhängen!“
Sie versuchte, eine Lichterkette über eine der korallenartigen Streben zu drapieren und stellte sich auf die Zehenspitzen, nur um trotzdem nicht ranzukommen.
„Du kommandierst mich ganz schön herum“, sagte der Doctor mit einem leisen Lachen und machte sich auf den Weg. „Schon gut, schon gut.“ Er half ihr, die Lichterkette oben anzubringen – woraufhin sie ihm den Weihnachtskranz in die Hände drückte. Er schaute das Ding an, dann schaute er Rose an und holte Luft.
„Häng ihn an die Tür!“, kommandierte sie, bevor er was sagen konnte. „Selbst du musst doch wissen, wie das geht!“
Es hatte noch nie einen Weihnachtskranz an der Tür der TARDIS gegeben. Nicht in neunhundert Jahren.
„Hast du schon entschieden, wohin wir als erstes fliegen?“, fragte Rose unbeirrt, während sie Lametta über den Kabeln verteilte. „Denn davon hängt ab, welches Outfit ich zuerst anziehe! Oh – und hast du Knallbonbons? Zu Hause hatten wir immer welche zu Weihnachten, Mum und ich.“
„Ach Mensch. Also gut.“ Rose Tyler war nicht mehr zu bremsen, wenn sie sich mal was in den Kopf gesetzt hatte. Na gut. Er hängte den Kranz auf. Wenn Rose Weihnachten wollte, dann würden sie Weihnachten feiern.
Zurück an der Konsole tippte er die Koordinaten ein. „Wir tragen Partyhüte, also starten wir mit der besten Weihnachtsfeier in der Geschichte des Universums. Und der Zukunft“, verkündete er. „Du wirst es lieben! Und du wirst nicht glauben, wo sie stattfindet. Los geht’s – zieh dein bestes Partykleid an!“
Rose jubelte und rannte zum Kleiderschrank. Glitzer stob hinter ihr auf.
Der Doctor stand an der Konsole, schüttelte den Kopf und schmunzelte. Es brauchte nicht viel, um sie zum Lächeln zu bringen. Verrückt, diese Frau. Absolut verrückt. Und brillant, das war sie auch.
Ein paar Minuten später kam Rose zurück, in einer weißen Langarmbluse, einem rotkarierten Minikleid, kniehohen Socken, Absatzschuhen mit süßen kleinen Schleifen – und dem Partyhütchen immer noch auf dem Kopf.
„Na?“, fragte sie strahlend.
Der Doctor grinste noch breiter. „Sieh dich nur an! Ganz festlich.“ Sein Finger schwebte über der Eingabetaste für ihr neues Ziel. „Bereit für ein echt fröhliches Weihnachtsfest?“
Roses Lächeln wurde sanfter und der Blick, den sie ihm zuwarf, intensiver. „Ich bin bereit, wenn du es bist.“
Er betätigte schwungvoll den Dematerialisierungshebel und die TARDIS setzte sich ruckartig in Bewegung.
Rose hielt sich schnell an der mit Lichterketten umwickelten Korallenstrebe fest.
„Doctor?“
„Hm?“
„Wenn du das nächste Mal anfängst, wie eine große, finstere Gewitterwolke vor dich hin zu brüten … dann werd ich das Lametta eher rausholen.“
Er stieß ein lautes, bellendes Lachen aus. „Hab nicht gebrütet.“
Sie hob eine Augenbraue. „Du hast nicht mal gemerkt, dass ich weg war.“
„Doch, hab ich.“
„Hast du nicht wirklich.“
Er hielt inne – ertappt. Dann kam sein schiefes, verlegenes Grinsen zum Vorschein. „Okay. Vielleicht bin ich etwas abgedriftet. Ein kleines bisschen.“
„Oder ein bisschen mehr.“ Sie kam zu ihm herüber und stieß ihn mit dem Ellbogen an. „Du warst meilenweit weg. Ich dachte, ich schleif dich mal zurück.“
„Na dann. Betrachte mich als zurückgeschleift.“
Sie schenkte ihm ein strahlendes, triumphierendes Lächeln.
Es gab ein letztes Dröhnen und Mahlen, dann verstummten die uralten Triebwerke.
Das Grinsen des Doctors wurde wieder breit und strahlend. Er richtete seinen Partyhut mit einem Fingerschnippen und schritt auf die mit dem Weihnachtskranz geschmückte Tür zu. „Na dann. Ein frohes Weihnachtsfest, Rose.“
Sie folgte ihm. „Mach ein gutes draus, ja?“
„Das beste.“
Er zog die Tür der TARDIS auf.
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